Fohlenfütterung – ein starker Start ins Leben

Fohlenfütterung – ein starker Start ins Leben

Das Wachstum eines Fohlens ist schnell und verläuft in verschiedenen Phasen. Die ersten Lebensmonate haben einen großen Einfluss darauf, welche strukturellen und ernährungsphysiologischen Grundlagen das Pferd später im Leben hat.

Die Fütterung des Fohlens beginnt praktisch bereits vor der Geburt – doch nach der Geburt bringt jede Phase ihre eigenen Besonderheiten mit sich.

Die ersten Stunden – die Bedeutung der Kolostralmilch

In den ersten Lebensstunden erhält das Fohlen über die Kolostralmilch (Biestmilch) Nährstoffe und Energie.

Die Kolostralmilch ist die erste und sehr wichtige Nahrungsquelle des Fohlens. Eine möglichst frühzeitige Aufnahme nach der Geburt gehört zu den zentralen Prioritäten in der Fütterung.

Die ersten Wochen – Milch als Hauptnahrungsquelle

In den ersten Wochen wird das Fohlen hauptsächlich über die Milch der Stute versorgt.

Gleichzeitig beginnt es jedoch:

  • Heu zu probieren
  • Interesse am Futter der Mutter zu zeigen
  • sein Fressverhalten zu entwickeln

Diese Phase ist wichtig für die Entwicklung des Verdauungssystems.

Frühe Zufütterung – kleine Mengen mit großer Bedeutung

Bereits nach wenigen Wochen beginnt das Fohlen, kleine Mengen an fester Nahrung aufzunehmen.

Ziel in dieser Phase ist es:

  • das Verdauungssystem schrittweise an feste Nahrung zu gewöhnen
  • eine ausgewogene Nährstoffbasis für das Wachstum zu schaffen

Hochwertiges Raufutter bildet weiterhin die Grundlage, ergänzt durch kleine Mengen weiterer Futtermittel als Teil der Gesamtration.

Mineralstoffe und Spurenelemente – Bausteine des Wachstums

Ein wachsendes Fohlen benötigt Mineralstoffe und Spurenelemente als Bestandteil normaler Körperstrukturen und Stoffwechselprozesse.

Wichtige Nährstoffe sind beispielsweise:

  • Zink und Kupfer
  • Calcium und Phosphor

In der Fohlenfütterung steht nicht die einzelne Menge im Vordergrund, sondern das Verhältnis dieser Nährstoffe zueinander.

Ausgewogene Verhältnisse in der Praxis

Viele Mineralstoffe werden immer gemeinsam betrachtet, da sie im Körper parallel als Teil eines ernährungsphysiologischen Gesamtsystems wirken.

Calcium und Phosphor

  • werden immer gemeinsam bewertet
  • typisches Verhältnis beim Fohlen: ca. 1,2–1,8 : 1 (Ca : P)

Zink und Kupfer

  • werden häufig gemeinsam betrachtet
  • typisches Verhältnis: ca. 3–5 : 1 (Zn : Cu)

Diese Verhältnisse sind keine isolierten Zielwerte, sondern Teil der gesamten Futterration.

Warum sind Verhältnisse wichtiger als Einzelmengen?

In der Fohlenfütterung gilt:

  • hohe Mengen eines einzelnen Mineralstoffs bestimmen nicht die Gesamtqualität
  • Mineralstoffe wirken im Zusammenspiel, nicht isoliert
  • das Grundfutter bildet die Basis, die bei Bedarf ergänzt wird

Beispiel:
Wird viel Zink zugeführt, ohne den Kupfergehalt anzupassen, kann das Gesamtverhältnis unausgewogen werden.

Was bedeutet Mineralstoffbalance in der Praxis?

Der Körper des Fohlens baut kontinuierlich neue Strukturen aus den über das Futter aufgenommenen Nährstoffen auf.

Die Balance von Mineralstoffen und Spurenelementen steht insbesondere im Zusammenhang mit:

Skelettentwicklung
Calcium und Phosphor bilden die mineralische Struktur der Knochen. Ihr Verhältnis ist ein wesentlicher Bestandteil der normalen Knochenentwicklung im Wachstum.

Bildung von Gewebe und Bindegewebe
Zink und Kupfer sind an enzymatischen Prozessen beteiligt und stehen im Zusammenhang mit der Bildung von Gewebestrukturen wie Bindegewebe und Kollagen.

Gesamtes Wachstum
Der Organismus nutzt Nährstoffe gleichzeitig für verschiedene Aufbauprozesse. Die Balance zwischen den Nährstoffen ist daher ein zentraler Bestandteil einer funktionierenden Gesamtheit.

Praktische Betrachtung

In der Praxis bedeutet das:

  • Mineralstoffe werden immer im Gesamtkontext beurteilt
  • Raufutter + ergänzende Fütterung bilden die Grundlage
  • Ergänzungen erfolgen bei Bedarf, nicht vorsorglich

Vitamin E – Schutz auf Zellebene und Teil des Wachstumssystems

Vitamin E ist ein fettlösliches Vitamin, das in den Zellmembranen wirkt und ein zentraler Bestandteil des körpereigenen antioxidativen Systems ist.

Seine Rolle umfasst insbesondere:

  • die strukturelle Stabilität der Zellen
  • den Schutz von Fettsäuren vor Oxidation
  • den normalen Stoffwechsel von Geweben

Beim wachsenden Fohlen ist dies besonders relevant, da ständig neue Zellen und Gewebe gebildet werden. Mechanismen zum Schutz der Zellen sind daher Teil eines funktionierenden Systems.

Die Versorgung mit Vitamin E hängt stark von der Futterqualität ab. Frisches Gras ist die wichtigste natürliche Quelle, während die Gehalte in gelagertem Futter abnehmen können.

Vitamin E und Selen – ein gemeinsames biologisches System

Vitamin E wird häufig zusammen mit Selen betrachtet, da beide im gleichen physiologischen System wirken.

  • Vitamin E wirkt auf Ebene der Zellmembranen
  • Selen ist Bestandteil antioxidativer Enzyme

Gemeinsam tragen sie zum Schutz der Zellen vor oxidativen Prozessen bei und unterstützen normale Körperfunktionen bei aktivem Stoffwechsel.

Was bedeutet das für die Entwicklung des Fohlens?

Während der Wachstumsphase:

  • erneuern sich Zellen schnell
  • werden kontinuierlich neue Gewebe gebildet
  • ist der Stoffwechsel aktiv

Vitamin E und Selen sind Teil des Systems, das die Funktion und Struktur der Zellen aufrechterhält.

Protein – Grundlage für wachsendes Gewebe

Das schnelle Wachstum des Fohlens erfordert eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Protein.

Protein besteht aus Aminosäuren, die für die normale Bildung von Gewebe und Wachstum notwendig sind. Entscheidend ist nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität und Zusammensetzung.

Während des Wachstums ist Protein beteiligt an:

  • der Bildung von Gewebe
  • Wachstum und Entwicklung

Hochwertiges Raufutter bildet die Basis und kann bei Bedarf ergänzt werden.

Fette und Omega-Fettsäuren – Teil der Gesamtversorgung

Fette sind ein Bestandteil der Energieversorgung und der gesamten Futterration.

Pflanzliche Fettsäuren bringen Abwechslung in die Fütterung und ergänzen die Ration als Teil eines ausgewogenen Gesamtkonzepts.

Absetzen – ein Wendepunkt in der Fütterung

Das Absetzen ist eine der wichtigsten Phasen in der Fohlenfütterung.

Mit abnehmender Milchaufnahme gewinnt feste Nahrung an Bedeutung. Daher ist es sinnvoll, das Fohlen bereits vorher an feste Futtermittel zu gewöhnen.

Während des Absetzens:

  • erfolgen Veränderungen schrittweise
  • ist Kontinuität in der Fütterung wichtig
  • sind Qualität und Verfügbarkeit des Raufutters entscheidend

Ist das Fohlen bereits an feste Nahrung gewöhnt, verläuft die Umstellung in der Regel gleichmäßiger.

Ein guter Start wirkt langfristig

Die Fütterung des Fohlens basiert nicht auf einzelnen Produkten oder Nährstoffen, sondern auf der Gesamtheit.

Eine ausgewogene Fütterung, hochwertiges Raufutter und schrittweise Anpassungen schaffen die Grundlage für Wachstum und Entwicklung.

Quellen

National Research Council (NRC). Nutrient Requirements of Horses. 6. Auflage. National Academies Press, 2007.

MSD Veterinary Manual. Nutritional Requirements of Horses and Other Equids.
https://www.msdvetmanual.com/management-and-nutrition/nutrition-horses/nutritional-requirements-of-horses-and-other-equids

Lewis, L.D. Equine Clinical Nutrition: Feeding and Care. 1995.

Ott, E.A. & Asquith, R.L. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 1997.

Schryver, H.F. et al. Journal of Animal Science.

Spears, J.W. Trace Mineral Bioavailability.

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